
12 Exposures Episode 4: Kunio Aoyama
Interview mit Kunio Aoyama, FUJIFILM Europe
Kunio Aoyama gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der heutigen Kamerawelt. Als General Manager von FUJIFILM Europe verantwortet er nicht nur zentrale strategische Entscheidungen im europäischen Markt, sondern ist auch ein leidenschaftlicher Botschafter der fotografischen Kultur, einer Kultur, die bei Fujifilm traditionell ebenso stark von technologischer Innovation wie von Respekt vor der Geschichte der Fotografie geprägt ist.
Seine Karriere innerhalb von Fujifilm begann im Umfeld der digitalen Kamerasparte, wo er sich intensiv mit den Grundlagen der Fotografie, der Entwicklung der X-Serie und den Bedürfnissen von Fotografen auseinandersetzte. Über die Jahre entwickelte sich daraus eine Perspektive, die Technik stets im Dienst der kreativen Erfahrung versteht: Kameras sind für Aoyama keine reinen Geräte, sondern Werkzeuge, mit denen Menschen Momente festhalten und Bedeutung schaffen.
Anlässlich der gemeinsamen Entwicklung zweier Kamerataschen, die exklusiv von Fujifilm vertrieben werden, entstand zu Beginn des Jahres 2026 dieses Gespräch mit Kunio Aoyama über Fotografie, Handwerkskunst und die Zukunft der Kamera.
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Wann begann Ihre persönliche Beziehung zur Fotografie, und wie führte Ihr Weg schließlich zu Fujifilm? Gab es einen Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass Bildgestaltung und Kamerakultur für Sie mehr bedeuten als nur Technologie?
Bis ich zu FUJIFILM kam, hatte ich eigentlich kein besonderes Interesse an Fotografie.
Als ich jung war, empfand ich fotografische Negative als etwas „Rückwärtsgewandtes“, daher habe ich bis etwa zu meinem 21. Lebensjahr kaum Fotos gemacht.
Doch nachdem ich bei FUJIFILM eingetreten war, änderte sich meine Sichtweise völlig.
Ich wurde der Verkaufsabteilung für Digitalkameras zugeteilt und musste Kameras und Fotografie ernsthaft studieren. Dadurch begann ich zu verstehen, dass Fotografie bedeutet, den „Moment des Jetzt“ bewusst wahrzunehmen und zu bewahren. Sie verwandelt einen „entscheidenden Augenblick“ in etwas Ewiges. In diesem Sinne ist Fotografie ein sehr positiver Akt.
Und die Kamera ist eine magische Box, die genau das möglich macht.
Fujifilm-Kameras werden oft eher als „gefertigt“ denn als „gebaut“ beschrieben. Was bedeutet Handwerkskunst für Sie, und wie kann man sie in einer Kamera spüren?
Vielleicht kann ich den Unterschied zwischen „gefertigt“ und „gebaut“ nicht perfekt erklären. Doch für uns bei FUJIFILM fühlen sich die Worte „Handwerk“ und „Handwerkskunst“ sehr natürlich und passend an. Ich glaube, dass ein Handwerker Verantwortung für sein Produkt übernimmt. Wir wissen, dass keine Kamera jemals perfekt sein kann aber das bedeutet nicht, dass wir aufhören, sie zu verbessern. Als Handwerker hören wir auf jedes Feedback, egal ob Lob oder Kritik. Denn das Produkt ist ein Teil des Handwerkers selbst. Das ist für mich Handwerkskunst.

Wenn Sie den Charakter des Fotografierens mit einer FUJIFILM-Kamera in einem Satz beschreiben müssten – wie würde er lauten?
Nicht ein Foto-Macher, sondern ein Erlebnis-Schöpfer der Fotografie.
Filmsimulationen sind weit mehr als technische Profile – sie tragen Emotion und Stimmung. Was möchte Fujifilm im Herzen der Fotografen durch sie auslösen?
Wir wissen, wie stark Farbe die menschliche Psyche beeinflusst. Filmsimulationen sind eines der wichtigsten Werkzeuge für Fotografen, um Emotionen auszudrücken.
Die Geschichte von FUJIFILM ist auch eine Geschichte der Filmentwicklung: Superia, Astia, Provia, Velvia, Reala und viele andere. All diese Filme wurden auf Grundlage der Stimmen von Fotografen entwickelt, sowohl von Amateuren als auch von Profis. Denn Farbwiedergabe sollte immer den Herzen der Fotografen folgen.
ACROS gilt für viele als das authentischste digitale Schwarzweiß-Erlebnis. Wie entstand diese Simulation – und was war Ihnen persönlich bei ihrer Entwicklung am wichtigsten?
Ich mag ACROS sehr. Es war eine revolutionäre Filmsimulation. Sie liefert echte Grautöne und ein realistisches Korn, das klassischen Schwarzweißfilm sehr nahekommt. Meine geliebte X-Pro2 war die erste Kamera mit dieser Filmsimulation, daher hat sie für mich eine besondere Bedeutung.
Allerdings verwende ich persönlich sehr gerne Classic Negative. Diese Simulation spiegelt die Farben von Negativfilmen aus den 1980er- und 1990er-Jahren wider. Da ich 1978 geboren wurde, sind mir diese Farben sehr vertraut. Wenn ich mir meine alten Fotos aus den 80er- und 90er-Jahren anschaue, haben sie die gleiche Farbwiedergabe wie die Classic-Negative-Filmsimulation.
In einer Zeit, in der jeder ständig mit dem Smartphone fotografiert, aber immer weniger Menschen über das Bild selbst nachdenken – wie können wir Menschen wieder dazu inspirieren, sich wirklich mit Fotografie auseinanderzusetzen?
Fotografie mit Smartphones ist oft „zum Teilen“. Durch Smartphones und soziale Medien ist Fotografie zu einem sehr alltäglichen Kommunikationsmittel geworden und das ist sicherlich eine Seite der Fotografie. Doch ich glaube, eine andere wichtige Seite ist, dass Fotografie auch etwas Persönliches ist. Bevor wir andere inspirieren können, müssen wir selbst berührt sein. Wir sollten Motive fotografieren, die uns wirklich bewegen. Ein Bild, das die Emotionen des Fotografen trägt, hat die Kraft, auch andere zu inspirieren. Für diesen Zweck kann eine dedizierte Kamera manchmal besser geeignet sein als ein Smartphone.
In Zeiten der Automatisierung – wo und wie findet bei Fujifilm heute noch echte Handwerkskunst statt?
In der Qualitätskontrolle. Automatisierung garantiert nicht automatisch gleichbleibende Qualität, weil jedes Bauteil seine eigenen Toleranzen hat. Eine stabile Qualität über alle Produktionschargen hinweg sicherzustellen, ist unsere Aufgabe. Selbst bei automatisierten Prozessen gibt es Aspekte, um die sich nur Menschen richtig kümmern können. Deshalb glauben wir, dass Handwerkskunst auch heute noch existiert und unverzichtbar ist.

Wenn Sie in fünf Jahren eine neue Fujifilm-Kamera in der Hand halten – welches Gefühl oder welche Eigenschaft darf sich niemals ändern?
Die Bedienbarkeit. Eine Kamera ist ein Werkzeug für Kunst, wie eine Gitarre für einen Musiker, ein Pinsel für einen Maler oder ein Füllfederhalter für einen Schriftsteller. Sie muss immer für den Menschen gestaltet sein, der sie benutzt.
Fujifilm und Oberwerth teilen Werte wie Langlebigkeit und Qualität. Was hat Sie an Oberwerth überzeugt – und warum passt diese Partnerschaft so gut zu Fujifilm?
Oberwerth Produkte haben einen besonderen Charakter, der Kunden anzieht. Ihre Langlebigkeit und Qualität sorgen dafür, dass man sie lange benutzen möchte. Noch wichtiger ist jedoch: Die Taschen werden mit der Zeit sogar schöner. Gemeinsam mit schönen Produkten zu altern ist etwas sehr Wertvolles, denn es ist ein Beweis dafür, dass man viele bedeutende Momente miteinander geteilt hat.

Wie entstand die gemeinsame Designsprache – und welche Elemente der Fujifilm-Philosophie wollten Sie im Oberwerth-Produkt wiederfinden?
Im Prozess der Produktplanung und Individualisierung habe ich festgestellt, dass Oberwerth Taschen außergewöhnlich gut für den praktischen Einsatz entworfen sind. Jede Designentscheidung und jedes Bauteil hat einen Grund und eine Geschichte. Selbst kleinste Details, Teile, Layout und Funktionen basieren auf realer Nutzung. Diesen Ansatz teilen wir bei FUJIFILM sehr stark.
Unabhängig davon, ob sie eine Fujifilm-Kamera verwenden oder nicht gibt es einen Fotografen aus der Gegenwart oder der Vergangenheit, dessen Arbeit Sie bewundern? Warum?
Saul Leiter. Er arbeitete lange Zeit als kommerzieller Fotograf, und diese Arbeiten brachten ihm ein gutes Einkommen. Seine privaten Arbeiten, insbesondere seine Street-Fotografie wurden damals hingegen kaum geschätzt. Doch er hörte nie auf zu fotografieren. Ich glaube, er fotografierte in erster Linie für sich selbst und am Ende wurde gerade seine persönliche Arbeit höher geschätzt als seine kommerziellen Aufträge.
Wenn Sie auf all Ihre Jahre bei Fujifilm zurückblicken – was bedeutet Fotografie für Sie persönlich?
Wie ich bereits in meiner Antwort auf Frage 1 erwähnt habe, bedeutet Fotografie für mich, einen entscheidenden Moment in etwas Ewiges zu verwandeln.

