Was macht das Fotografieren mit einer Leica M aus?

Die Leica M war lange bekannt als die beste Kamera der Welt, doch die Konkurrenz hat aufgeholt und stellt inzwischen vergleichbar gute Kameras her. Was macht die Leica also heutzutage noch aus? Ist es nur Kult, Glanz einer vergangenen Epoche oder ist wirklich etwas dran am besonderen Zauber des Fotografierens mit der Leica M?

Leica - eine andere Art der Fotografie?

Immer wieder wird Kritik an Leica M Kameras laut. Sie dreht sich vor allem um den Preis der legendären Kamera, der viel zu hoch sei und darum, dass professionelle FotografInnen sie kaum als ihre Kamera zur täglichen Arbeit verwenden. Außerdem heißt es immer wieder, die Leica M sei früher einsame Spitze gewesen, heutzutage aber nicht mehr viel besser als andere Kameras mit mehr Funktionen und einem moderateren Preis.

Trotzdem lieben Generationen von FotografInnen ihre Leicas und Profis, auch wenn sie im Arbeitsalltag auf Hochzeiten oder Reportagen mit anderen Kameras arbeiten, haben doch oft eine Leica zu Hause für die private Freude am Fotografieren und an schönen Bildern. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich schnell auf, wenn der alles entscheidende Satz fällt: Leica, das bedeutet einfach eine andere Art des Fotografierens.

Purismus pur

Und was macht die Leica so anders als andere Kameras in vergleichbarer Qualität? Eines der Hauptthemen, die Leica LiebhaberInnen nennen, ist der Fokus auf das Wesentliche, dem sich die Marke seit Beginn ihrer Kameraproduktion verschrieben hat. Besonders wichtig ist in diesem Kontext, dass Leica auf Autofokus und die Vielzahl von Funktionsmodi, die moderne Kameras häufig auszeichnen, verzichtet und stattdessen auch weiterhin mit manuellem Fokus und Festbrennweite arbeitet. 

An der Leica gibt es nichts, was nicht essenziell wäre, nichts, was man zum Fotografieren nicht wirklich braucht. Dadurch kann ein Leica Fotograf auf eine besondere Weise mit der Kamera verschmelzen, ähnlich einem simplen, aber perfekt austarierten Werkzeug, das er bis ins Detail kennt. Dank diesem Purismus gehört die Leica Kamera auch heute noch zu den kleineren Kamera-Modellen, weshalb sie beim Fotografieren nicht stört und nicht im Weg ist. Als gutes Werkzeug ist sie grundsolide und geht nicht leicht kaputt, sodass man sich keine Sorgen um die Kamera machen muss.

Eine Leica fürs Leben

Dass Leica Kameras solide sind und ein Leben lang halten können, beweist ein Blick ins Internet: Auf zahlreichen Portalen werden hier gebrauchte Leica Kameras und Zubehör verkauft und das zu guten Preisen. Wer schon einmal mit einer Leica M3 aus den 50er- oder 60er-Jahren fotografiert hat weiß, dass sie noch anfühlt wie am ersten Tag, kein Klappern, keine Problemchen. Das schlichte, zeitlose Design der Leica Kameras, von dem die Hersteller bis heute nicht abweichen, trägt zum zeitlosen Charme der Kamera bei, die einfach nicht aus der Mode kommt. Hier wird alles nach dem Bauhaus-Motto “form follows function” designt und im mittelhessischen Wetzlar in bewährter Qualität verarbeitet.

Zugegeben, das Thema Nachhaltigkeit ist am Boomen. Aber die Leica Kamera AG hat sich dieses Thema nicht erst seit gestern auf die Fahnen geschrieben. Schon lange bevor der Begriff zum Schlagwort und Verkaufsargument wurde, stand hier die Fertigung mit einem hohen Handarbeitsanteil und die Verwendung ausgesucht hochwertiger Materialien hoch im Kurs. Bei der Leica Kamera AG sind sie überzeugt, nur so die robuste Alltagstauglichkeit und die besondere Langlebigkeit, für die die Firma steht, weiterhin garantieren zu können. Und der Blick auf den Leica-Gebrauchtmarkt und dessen Preise geben ihr unmissverständlich recht.

Die Leica fordert

Vor allem Fotografiebegeisterte, die zwar das nötige Kleingeld haben, denen es aber an Erfahrung noch fehlt, kommen mit der Leica ohne Autofokus oft schwer zurecht. Erfahrene FotografInnen dagegen sind es gewohnt, dass bei der Leica alles vorher eingestellt werden muss. Sie wissen schon im Vorhinein genau, wie nah sie an ein Objekt herangehen wollen, denn die Festbrennweite der Kamera hat keinen Zoom. Auch die Verschlusszeit will festgelegt sein und ein Profi kann die Lichtverhältnisse, auch available light genannt, genau abschätzen. Und schließlich muss man sich für die passende Blende entscheiden, damit beim Fotografieren dann der Schärfebereich auch stimmt.

Das alles klingt umständlich und mag sich für AnfängerInnen bei den ersten paar Versuchen auch so anfühlen. Es bedeutet aber auch eine besondere Freiheit beim tatsächlichen Fotografieren. Sind all diese Entscheidungen, die im Voraus wichtig waren, getroffen, rückt die Kamera völlig in den Hintergrund und der Fotograf kann sich direkt und ungestört seinem Sujet nähern. Durch die besondere Haptik und das leicht überschaubare Design wird sich der Fotograf aber auch schnell zurecht finden, sodass mögliche Fehleinstellungen immer nachjustiert und im Nachhinein berichtigt werden können.

Eine Besonderheit der Leica M ist ihr Messsucher, der sich mit dem “M” sogar im Namen wiederfindet. Hier sieht der Fotograf weder über den Spiegel das Bild durch die Linse wie bei einer Spiegelreflexkamera, noch sieht er das Objekt auf dem Bildschirm, wie es bei spiegellosen Apparaten der Fall ist. Durch den Messsucher sieht der Fotograf wie durch ein kleines Fenster quasi am Objektiv vorbei und dadurch zwar nicht, wie das fertige Bild aussehen wird, nimmt aber einen größeren Bildausschnitt wahr als die Kamera. Dadurch kann er frühzeitig auf etwas, das ins Bild kommt, reagieren und sieht der Lichtsituation entsprechend unter Umständen besser als die Kamera. Durch den Messsucher ist der Fotografierende Teil des Geschehens und umrahmt mit der Kamera nur, was er aufnehmen möchte – eine Szene, eine Stimmung, einen Moment. 

Die Leica ist fordernd, denn ohne die Möglichkeit des Zooms muss man dicht an das Objekt der fotografischen Begierde herangehen und sein Handwerk genau kennen, um damit gute Fotos zu machen. Belohnt wird die Mühe des Erlernens dieses Handwerks aber durch ganz besondere Fotos, die immer wieder herausstechen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Der Leica Look 

Da sich Bilder, die mit einer Leica Kamera gemacht wurden, ganz eindeutig von anderen unterscheiden, hat sich mit den Jahren der Begriff des “Leica Looks” herausgebildet. Dabei muss natürlich klar sein, dass auch die beste Kamera kein Hexenwerk ist und ein simples Betätigen des Auslösers nicht gleich zum Leica Look führt. Wie oben beschrieben erfordert das Fotografieren mit der Leica - sei es mit einer digitalen Leica wie der M10 oder einer analogen - Handwerkskunst, Wissen und vor allem Erfahrung.

Die Magie des besonderen Leica Looks liegt also weiterhin in der Hand der FotografInnen, deren Arbeit oft einfach aussieht, aber viel Präzision erfordert. Mit der Leica werden so herrlich spontan wirkende Bilder gemacht, was durch den Verzicht auf Autofokus und das zwingend erforderliche Scharfstellen im Voraus möglich wird. Man muss nach dem Einstellen nicht auf den Autofokus warten und es gibt auch keine Fehler, weil doch etwas anderes im Fokus war als beabsichtigt.

Sicherlich hängt der besondere Look der Bilder aber auch mit der Verarbeitung und Qualität des Werkzeugs zusammen. Leica Objektive haben noch immer den Ruf, einsame Spitze zu sein und ein besonders scharfes Bild zu ermöglichen. Sie bieten besonders gute Lichtempfindlichkeit sowie eine herausragende Bild- und Verarbeitungsqualität. Mit Leica Objektiven ist das Fokussieren auch bei schwindendem Licht wesentlich länger möglich und man kann auch durch Hindernisse wie Zäune und Fensterscheiben hindurch fotografieren, was interessante Perspektiven und vielschichtige Fotos ermöglicht. Beachtenswert ist außerdem, dass die Objektive nicht nur genauso wie die Kameras wertstabil sind, sondern auch alle seit 1954 gebauten Leica M Objekte an der aktuellsten digitalen Leica M Kamera verwendbar sind. 

Natürlich ist, was eine gute Kamera ausmacht letztendlich völlig subjektiv und hängt einzig davon ab, wie und was jemand fotografieren will. Die Leica bleibt weiterhin besonders, auch wenn man mit anderen Kameras vielleicht ähnliche Bilder machen kann. Sie ist nicht nur eine schöne Kamera, die durch ihre Einfachheit und angenehme Haptik besticht und über gute Objektive verfügt, sondern fordert FotografInnen auch immer wieder heraus, sich im Voraus Gedanken um Objekt und Situation zu machen. Nicht zuletzt ist sie die Kamera schlechthin für Streetfotografie, denn bei der kleinen Kamera im Oldschool-Design bleiben Fotografierte entspannter, sie ist dezent und stilvoll. 

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